zwölfdreizehnschnipseleien | mai 13

mai 1813

Tod auf dem Scheiterhaufen

Am 28. Mai 1813 wurden zur Hinrichtung von Johann Peter Horst (30) und seiner Geliebten Friederike Luise Delitz (21) die letzten Scheiterhaufen in Deutschland entzündet. Den Mitgliedern einer Mordbrennerbande wurde vorgeworfen, in 45 Fällen vorsätzlich Brände gelegt zu haben, um die Betroffenen während der Löscharbeiten berauben zu können. Dabei waren mehrere Menschen ums Leben gekommen. Niemals mehr danach sollten in Deutschland Scheiterhaufen ein Todesurteil vollstrecken. Mit der Französischen Revolution gewann die Guillotine an Attraktivität.

Eine Episode vor der Schlacht bei Großgörschen

Am 1. Mai 1813, einem Sonnabend, übertrugen Kaiser Alexander I. von Rußland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Oberbefehl über ihre verbündeten Truppen dem Grafen Wittgenstein in Nachfolge des verstorbenen Fürsten Kutusow. Die Russen und Preußen fühlten sich stark genug, sich den anrückenden Franzosen zur Schlacht zu stellen. Aus diesem Anlaß fand eine Heerschau bei Pegau statt, 25 Kilometer südlich von Leipzig, am östlichen Ufer der Weißen Elster. In der Nähe des westlichen Ufers waren bereits die Franzosen und deren Verbündete des Dritten Korps unter Ney versammelt, die mit den 120.000 Mann des Kaisers Napoleon I. von Erfurt herangezogen waren.

Yorks Truppen standen im Lager von Zwenkau und marschierten über Audigast nach Pegau. Vor Pegau kam es zu einer ungewollten Mischung mit den Truppen Blüchers. Ein derartiges Durcheinander widersprach der Ordnungsliebe des alten “Schlachtengenerals” (wie er später auch genannt wurde) und verfinsterte seine Stimmung. Das machte sich wenig später bei der Begegnung mit seinem König bemerkbar.

Die Monarchen waren von ihren Pferden gestiegen und nahmen den Vorbeimarsch ab. York ritt an der Spitze vor dem Kolbergischen Regiment. Er mußte nun aus dem Sattel zur Erstattung der Meldung an die obersten Kriegsherren. Der Kaiser von Rußland übersah die militärische Formalität und schloß York nach russischer Art in seine Arme. Das wurde vom König von Preußen mißbilligend quittiert. Friedrich Wilhelm III. betrachtete mit kühlem Blick Yorks Uniform und fragte: “Habe ja Eisernes Kreuz verliehen – warum nicht tragen?” York zog den Hut und antwortete, sich knapp verneigend: “So dankbar ich für Eurer? Majestät Gnade bin, so kann ich es nicht früher anlegen, als bis meine Vorschläge von tapferen Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten berücksichtigt sind!” Der König entgegnete unwirsch: “Kann doch nicht gleich alle dekorieren.” York richtete sich mit Stolz auf: “Nur die, welche von ihren Kameraden ausgewählt wurden. Die Leute meines Korps können dem Orden nur Ehre machen!”

Am folgenden Tag der Schlacht konnten sich die Russen und Preußen noch nicht gegen Napoleon I. behaupten. Doch Yorks Preußen trugen erfolgreich die Verantwortung für den geordneten Rückzug. König Friedrich Wilhelm III. verlieh York dafür das Eiserne Kreuz erster Klasse. Yorks Kommentar: “Einen Orden für Rückzug trage ich nicht!” Sein Vertrauter General Hünerbein antwortete schelmisch: “Eine gute Retirade verdient aber auch ihren Orden.” York, nach kurzem Nachdenken: “Da mag Wittgenstein ihn doch tragen.”

Quelle: “Deutscher Heldenhumor 1813/15″ von Louis Baron von Falkenstein / Oberstleutnant der Kavallerie, herausgegeben von Leopold Graf von Kalckreuth im Verlag von Karl Curtius, Berlin. Druck in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig, (ohne Jahresangabe, etwa 1915)

 

Gneisenau an seine Frau

Hauptquartier Gumschütz bei Bautzen, den 13. Mai 1813

„Der Krieg ist unsern Grenzen näher gekommen durch Schuld von Leuten, die nicht wissen, was sie wollen. Wir haben die Elbe unnötigerweise verlassen. Der Soldat ist unzufrieden mit dem beständigen Rückzuge, und ich mag ihm dies nicht verdenken.

Sollten wir eine neue Schlacht liefern und selbige verlieren, so wird das Gerücht davon schnell genug bis zu Euch kommen. Dann lasse August nach Böhmen gehn und dort seine Wunde pflegen. Überlebe ich die Schlacht, so werde ich Dir davon Kenntnis zu geben suchen. Ich weiß nicht, ob Dich mein letzter Brief erreicht hat, worin ich von dem guten Zeugnis sprach, das August wegen seiner Tapferkeit gegeben wurde. Ich will es zum Überfluß noch einmal hersetzen. Scharnhorst schreibt mir: »Ihr Sohn, Ihr braver Sohn, ich habe ihn fechten gesehen. Er verdient, allen zum Muster aufgestellt zu werden.« Andere geben ihm ein ebenso vorteilhaftes Zeugnis. Er wird vielleicht das Eiserne Kreuz erhalten, denn er ist dazu vorgeschlagen. Er muß nun längst bei Dir angekommen sein. Gib mir sogleich über sein Befinden Nachricht, adressiert an mich beim Blücherschen Armeekorps.

Übrigens seid unbesorgt. Das Schicksal der Waffen ist zwar manchmal sehr sonderbar, allein was ich gewahr werden kann am Geist des Soldaten, ist gemacht, um Hoffnungen einzuflößen. Er ist guten Mutes. Im Lager vor uns geht es munter zu; Musik und Gesänge erschallen und alles ist wohlgemut, seitdem der Rückzug aufgehört hat. Gott nehme Euch in seinen Schutz.“

 Quelle: Briefe August Neidhardt von Gneisenaus im Jahr 1813 auf www.lexikus.de

 

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mai 1913

Wandervogelbewegung

Vom 11.-12. Mai 1913 findet in Eisenach und auf der Brandenburg im Werratal der 3. Bundestag des Jungwandervogels (JWV) statt. Zum ersten Bundesleiter wird Willi Clemens gewählt.

Am 13. Mai (Pfingstdienstag) findet auf der Henneburg bei Meiningen ein großer Wandervogeltag des „Wandervogel e.V.“ (E.V.) statt. Dieser kleine Bundestag kann als erstes größeres Treffen des E.V. nach der Einigung gelten.


Quelle: Kindt, Werner; Dokumentation der Jugendbewegung II; Der Wandervogel; 1968 Köln

 

Studentenbewegung

Zeitgleich zu den Bundestagen der Wandervögel tagte auch der Allgemeine Deutsche Burschenbund (ADB). Diesen burschenschaftlichen Dachverband hatte die neu gegründete Vandalia, ihrer Abstinenz und ihrer reformerischen Ideen zum Trotz, um Mitgliedschaft angefragt. Da Vandalen zuvor auf den bierseligen Kaiserkommersen mit Zitronen- statt mit Gerstensaft auf Kaiser und Vaterland anstoßen und auch durch andere Stilreformen für Mißstimmung bei ADB-Bünden gesorgt hatten, zogen sie ihr Mitgliedsersuchen kurzfristig zurück. Mit der Freideutschen Bewegung hatten sich neue Optionen einer Bündelung ergeben, und so sollte die Burschenschaft Vandalia zu den unterzeichnenden Bünden des Aufrufs zum 1. Freideutschen Jugendtag gehören.

Ebenfalls zu Pfingsten tagte in Leipzig die zweite Hauptversammlung des Deutschen Wehrvereins. Ziel des 1912 gegründeten Verbandes war die Aufrüstung des deutschen Heeres. Im ersten Jahr seines Bestehens verzeichnete der Deutsche Wehrverein schon 278.000 Mitglieder, unter ihnen 200.000 Korporative. Stellvertretender Vorsitzender war Hermann Paasche, Vater des Pazifisten, Meißnerfahrers und Gusto-Gräser-Freundes Hans Paasche.

Quelle: www.chroniknet.de

 

Arbeiterjugendbewegung

Zu Pfingsten treffen am 11.5.1913 in Hamburg junge Arbeiter zum Jugendtag der Arbeiterjugend zusammen. Wie ein Fest bei der Arbeiterjugend 1913 aussehen konnte, schildert ein Bericht in der Zeitschrift der Arbeiter-Jugend vom 13. September 1913:

“Am Nachmittag versammelten sich alle Gruppen im Hamburger Volkswohl. In einer breiten, vom Wald eingefaßten Schlucht, lagerten die 2.500 Teilnehmer, malerisch über den Rasen verstreut. Massengesang durchbrauste die Schlucht und wechselte mit Musikvorträgen der ‚Jugendkapelle‘ ab, in der Flöte, Geige, Mandoline und Gitarre vertreten sind. Der Sekretär des Jugendbundes, wies mit wenigen Worten auf die Bedeutung der Veranstaltung hin. Der stürmische Jubel, den seine Worte hervorriefen, wich gespannter Aufmerksamkeit, als eine Gruppe Schauspieler und jugendliche Statisten aus dem waldigen Hintergrund der Schlucht hervortraten. Friedrich Schillers ewig junges Drama Die Räuber wurde in vier Szenen in lebensvoller Darstellung gebracht. Volkstänze und gemeinsame Spiele beschlossen das Fest. Ein Festzug von imposanter Größe bewegte sich am Abend durch Hamburg nach dem Bahnhof. Das noch nicht dagewesene Ereignis eines Festzuges von 2.500 jungen Arbeitern und Arbeiterinnen rief das größte Aufsehen hervor.”

Mehr über das Verhältnis der Arbeiterjugend zum Hohen Meißner findet ihr in dem Aufsatz „Der Hohe Meißner und die Falken“ von Kay Schweigmann-Greve, erschienen in: Mitteilungen, Archiv der Arbeiterjugendbewegung, Oer-Erkenschwick, 2012/II – digital zu finden unter  http://www.wir-falken.de/showall/6685790.html

 

Wanderpredigerbewegung

Gusto Gräsers  Pferdewagen ist im Mai 1913 in Stuttgart eingetroffen, wo er in der dortigen Liederhalle seine TAO-Dichtung präsentiert:

 

Schau da — Ein karges Land voll reichreichen Menschen —

Kuriose Geräte liegen da zur Mahnung an gewesene Zeiten,

verwesender Zeiten, voll Flucht und Sucht.

Nur allhier heimgekehrt, leben sie groß im großem Allmiteinander:

Wald und Hag, Hof und Haus erfüllt ihr Vergnügen.

Das Reibholz ziehen, die Sonnenuhr ziehen sie all dem Geticktacke vor –

Wieder schmeckt das Habermus –

wieder und besser gefällt das derbe, in Freundschaft gewirkte Gewand –

Sonnig Behagen athmet ihre Behausung –

und voll Schönheit, Lieb und Sinn sind all ihre Sitten.

Nachbarn, nicht zu nah – einen Hahnenschrei voneinander –

frohrohes Wildland – Freiheit zwischen einander –

Allso leben in Heimlichkeit, sterben in Himmelsruh

alltraut, treuliche Menschen.

(Gustav Arthur Gräser)

 

Quelle: Hermann Müller, Der Dichter und sein Guru, Gisela Lotz Verlag, Wetzlar 1978

Hinweis: Zum Aufruf für Lyrik anno 2013 geht es hier.

 

Jahrhundertfeierlichkeiten

Im Mai 1913 wird in Breslau die sogenannte Jahrhunderthalle eröffnet. Vom 20. Mai an kann man in den 56 Sälen die Jahrhundertausstellung anläßlich des Jahrestages der Völkerschlacht gegen Napoleon beschauen. Aus gleichem Anlaß und an gleicher Stelle hat das Festspiel in deutschen Reimen von Gerhart Hauptmann am 31. Mai seine Uraufführung. Aufgrund des zeitkritischen Inhalts wird es nach nur 11 Vorführungen abgesetzt. Auf einem späteren Planungstreffen in Jena zur Organisation des Ersten Freideutschen Jugendtages wird auch das Festspiel von Gerhart Hauptmann zur Aufführung auf dem Hohen Meißner vorgeschlagen. Letztlich entscheidet sich der Sera-Kreis jedoch für das klassische Goethe-Stück „Iphigenie“.

Schlußworte des Stücks, General Blücher und der Direktor auf der Bühne:

Blücher: Trompete! Vorwärts! Blast zum Sammeln. Wat soll mich denn dem Friedenstirili? Ick bin von Infantrie und Kavallrie.

Der Direktor: In deine Kiste!

Blücher: Wie? Was? Kiste? Zieh! (Er hat den Degen gezückt)

Der Direktor: Du wackrer Graukopf lieg an deinem Ort. Was leben bleiben soll, das sei dein Wort. Ich schenk es Deutschland, brenn es in sein Herz – nicht deine Kriegslust, aber – dein: Vorwärts!!

(Der alte Marschall, vom Stab des Direktors berührt, sinkt entseelt nieder)

 

Buch 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts

Florian Illies beginnt seinen Maibericht mit Max Webers Essay über die vorschreitende Entzauberung der Welt. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch Webers Kurbesuch in Ascona auf dem Berge Verità. Einige Schnipsel später erfahren wir, daß Rudolf Steiner vortragsreisend durchs Land zieht und am 18. Mai seinen Anhängern in Stuttgart erklärt, daß die zukünftige Zentrale der Anthroposophie nicht wie geplant in München errichtet werden wird. Die zeitgleich stattfindenden Vorträge eines dritten „Verzauberers“ läßt Illies unerwähnt, auch wenn Gustav (Gusto) Gräser als Gründer der Verità-Siedlung durchaus spürbaren Einfluß auf seine Zeitgenossen ausübt. Sein Jünger Hermann Hesse hat dies in seinem Roman „Die Morgenlandfahrt“ nachspürbar festgehalten. Wir erfahren also leider nicht, ob Gräser auf Steiners Vorträgen in Stuttgart vorbeischaute, dies umgekehrt passierte, man sich gegenseitig ignorierte oder beiderseits Beachtung schenkte. Illies erwähnt gleichwohl: „Wir wissen, daß Hermann Hesse einer jener Erlösungswilligen war, die eine Audienz bei Steiner erhielten“. Die Zielgruppe der beiden Prediger schien also mindestens eine Überschneidung zu haben. Illies Lieblingsapostel Hitler wird gleich in drei Schnipseln des Monats eingewoben, und sei es nur, um zu erwähnen, daß die kleine sechsmonatige Eva Braun durch den Münchner Hofgarten geschoben wird. Dennoch bleibt genügend Platz für echte Ereignisse rund um Kafka, Rilke, Freud und George, die ihr euch wie gewohnt selbst erlesen dürft.

 

mai 2013

ab 1. Mai 2013 eröffnet | Barfußpfad – 1500 m Spaß und Gesundheit für Ihre Füße

Wann sind Sie das letzte Mal barfuß durch die Natur gelaufen? Auf unserem Barfußpfad können Sie auf dem Rundweg Ihren Füßen mal so richtig Freilauf geben. Ihre Füße erwarten 30 abwechslungsreiche Stationen. Von Meißner-Heu bis Schlammtreppe, alles was Füßen Spaß macht und sie belebt, ist mit dabei. Der Startpunkt des Barfußpfades ist das Jugenddorf Hoher Meißner. Der Barfußpfad ist ab 1. Mai geöffnet!

 

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11. Mai – 21. Juli 2013 | Gemeinsam wandern – Deutschlands Vielfalt erleben!

Der bundesweite Wandertag biologische Vielfalt ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Bundesumweltministeriums (BMU). Er ist im Rahmen der UN-Dekade zur Biologischen Vielfalt (2011 bis 2020) zu einem festen Beitrag der Öffentlichkeitsarbeit geworden.

Ziel des Wandertages ist es, Menschen in Deutschland über das gemeinsame Wandern mit den Themen der biologischen Vielfalt vertraut zu machen. Auf geführten Wanderungen oder ausgezeichneten Wegen kann jeder die Vielfalt und Schönheit der Arten, Lebensräume und Landschaften genießen.

Der Aktionszeitraum, in dem Wanderungen angeboten werden können, dauert vom 11. Mai bis zum 21. Juli 2013. Dadurch wird einerseits der Internationale Tag der biologischen Vielfalt (22. Mai) berücksichtigt, andererseits können insbesondere  Schulen bzw. Schulklassen eingebunden werden, denen so die Möglichkeit gegeben wird, bis kurz vor den Sommerferien Wanderveranstaltungen zu organisieren und durchzuführen.”

 

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