364 und eine Meißnernacht

Vor nunmehr einem Jahr wurde zur Meißnernacht das Meißnerjahr ausgerufen, welches kürzlich an gleicher Stelle zu Ende gegangen ist. Die diesjährige Meißnernacht fiel nicht nur auf das historisch korrekte Datum des 1. Freideutschen Jugendtages, es bot zudem Gelegenheit sich über die einzelnen Jubiläumsveranstaltungen auszutauschen. Ein kleiner Überblick soll hier gegeben werden.

W13 – Weimar 2013

Die Veranstalter des Stadtlagers in Weimar waren die Bünde SJD – Die Falken, die Alevitische Jugend, Haschomer Hazair, der Wandervogel e.V. und Gruppen des BDP sowie die Kulturinitiative „lebendig leben“ und die Jugendburg Ludwigstein. Die Initiative ging hier maßgeblich von den jugendbewegten Ortsgruppen der Falken aus, die wohl auch einen Großteil der 200 Teilnehmer stellten. Historische Bezugspunkte waren sowohl der Weimarer Arbeiterjugendtag des Jahres 1920 als auch der 1. Freideutsche Jugendtages des Jahres 1913. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen Bünde und Initiativen führte zu einem vielfältigen Programm und einem durchaus harmonischen Treffen. An der lockeren Stimmung auf dem Treffen war die anwesende Volxküche nicht unbeteiligt. Sie bot den nötigen Freiraum für Gespräche und den Austausch zwischen den einzelnen Besuchern. So konnten beispielsweise anthroposophische und proletarische Umgangsformen, Ideen und Lösungsansätze ausgetauscht werden. Am Ende des Festes wurde die „Weimarer Erklärung“ verlesen, auf die sich die anwesenden Bünde geeinigt hatten. Hierin heißt es u.a.:

„Die am Jugendtag in Weimar 2013 beteiligten Jugendorganisationen stellen sich in die Tradition des fortschrittlich demokratischen Flügels der Jugendbewegung in Deutschland mit ihren Forderungen nach

- Jugendlicher Selbstbestimmung

- Materieller und kultureller Partizipation aller am gesellschaftlichen Reichtum

- Eintreten für Demokratie in allen gesellschaftlichen Bereichen. […]“ (Quelle: Auszug aus Weimarer Erklärung vom 1. September 2013)

Aufstehstatistik[1]: ca. 40% der Anwesenden der Meißnernacht besuchten W13.*

Einen Erlebnisbericht gibt es hier

L13 – Lager 2013

Veranstalter des größten Erinnerungstreffens in der Gemeinde Frankershausen war der Verein zur Vorbereitung und Durchführung des Meißnertreffens 2013 e.V. An diesem Treffen nahmen offiziell etwa fünfzig Bünde mit mehr als 3000 Besuchern teil. Auch dieses Fest wurde von den meisten Besuchern als einzigartig und bereichernd beschrieben. Dennoch sammelten die einzelnen Teilnehmer unterschiedliche Erfahrungen ein. Für die einen war es eindeutig ein Fest der Jugend, während andere eine zu starke Einflußnahme der 88er-Generation[2] beklagten. Wiederum andere fanden gerade die Übernahme organisatorischer Aufgaben durch Ältere besonders befreiend, da es ihnen die Beschränkung aufs Wesentliche ermöglichte. Als große Bereicherung wurde insbesondere die monatelange Zusammenarbeit in den regionalen Foren empfunden, die sicherlich in der ein oder anderen Form fortgesetzt wurde. Wie schon in Weimar ermöglichte die Vielzahl an unterschiedlichen Bünden ein vielfältiges Programm und allerorten konnte man sich von anderen Formen inspirieren lassen und als Dankeschön Eigenes zurückgeben. Uneinigkeit bestand jedoch in der Frage, ob mit dem Ausschluß einzelner Bünde zwar die Harmonie vor Ort gesichert werden konnte aber letztlich auch die Option zum Austausch und zur Auseinandersetzung genommen war. In diesem Zusammenhang wurde eine offenen Wunde und das Bestehen von zuweilen nicht nachvollziehbarer Angst beschrieben. Neben allerlei ernsten Gesprächen wurden aber auch lustige Anekdoten wie jene über die begehrten „Westforumhumpen[3] berichtet. Das Meißnerlager verabschiedete eine Erklärung in der es u.a. heißt:

„Wir streben nach Erweiterung unserer persönlichen Grenzen. In Respekt vor unserem Nächsten lehnen wir jedoch jede Grenzüberschreitung ab, die seine Würde und Persönlichkeit verletzt.

Die unmittelbare Begegnung mit der Natur, ihrer Schönheit und ihren Herausforderungen auf Fahrt erfüllt uns immer wieder mit Ehrfurcht. Die Bewahrung der Schöpfung ist daher Teil unseres verantwortungsbewussten Handelns.

Aus der Freude am gemeinsamen Werk und in der festen Überzeugung, dass uns die bündische Lebensweise im Sinne der Meißnerformel auch durch zukünftige Herausforderungen leiten wird, wollen wir den 100. Jahrestag des Freideutschen Jugendtages von 1913 feiern.“ [http://meissner-2013.de]

Aufstehstatistik: ca. 95% der Anwesenden der Meißnernacht besuchten L13.*

F13 – Fahrt 2013

Veranstalter der sogenannten Meißnerfahrt war der Ring junger Bünde Hessen (RjBH), dessen Aufruf etwa 350 Teilnehmer aus unterschiedlichsten Wandervogel- und Pfadfinderbünden sowie weiteren jugendbewegten und bündischen Gruppen folgten. Gemäß dem Motto „Jugend in Bewegung“ wanderten die Teilnehmer gemeinsam von der Burgruine Hanstein über die Burg Ludwigstein zum Lagerplatz am Fuße des Hohen Meißners, um sonntags den Berg erklimmend eine gemeinsame Feierstunde zu begehen. Die jeweiligen Höhepunkte empfand wohl jeder anders. Der eine ließ sich von der sternenklaren Nacht über dem Kohtenlager nahe dem Hanstein gefangennehmen, der andere fand die Vielfalt des Marktes der Jugendbewegung am eindrucksvollsten. Wiederum andere fanden die Wanderung – der Witterung sei Dank – zwischen dem Ludwigstein und dem Hohen Meißner oder aber die Feierstunde und den lodernden Feuerstoß – allen Witterungsunbilden zum Trotz – am beeindruckendsten. Den positiven Erlebnissen zum Markt der Jugendbewegung stand der Vorwurf entgegen, ein Aussteller hätte unerlaubte Bücher aus der Zeit des Nationalsozialismus verkauft. Beim genaueren Hinschauen entpuppte sich das vorgeworfene Heft allerdings als ein letzter publizistischer Versuch, bündische Formen in der neuen Staatsjugend zu verbreiten. Arno Klönne hatte hierzu weitere Hintergründe ausformuliert. Im Zuge dessen diskutierten wir über die Vorzüge, Schwierigkeiten und Herausforderungen des Konzeptes „Offene Burg“. Einige Besucher beider Lager waren froh, daß die Fahrt nicht so stark von „oben“ reguliert, sonder eher jugendbewegt lebendig verlief. So bestach auch dieses Treffen durch ein vielfältiges Programm, das durch abwechslungsreiches Erleben entlang des Weges entstand. In diesem Sinne ist wohl auch die Erklärung zur Offenen Meißnerfahrt zu verstehen, wenn es u.a. heißt:

„Die Meißnerfahrt 2013 ist eine offene Veranstaltung zum Gedenken an die 100jährige Wiederkehr des 1. Freideutschen Jugendtages. Sie bildet einen Rahmen, in dem sich jugendbewegte Bünde, Gruppen und Personen kennenlernen, begegnen und austauschen können. Die Meißnerfahrt steht für eine gelebte Vielfalt, die insbesondere im persönlichen Austausch und im gemeinsamen Wandern zum Ausdruck kommt.“ [http://meissner2013-jugendinbewegung.de]

Aufstehstatistik: ca. 40% der Anwesenden der Meißnernacht besuchten F13 bzw. den Markt der Jugendbewegung.*

Meißnermorgen

*Die Aufstehstatistik aller Angesprochenen zeigte deutlich, daß ein Großteil der Anwesenden auf mehr als einer Veranstaltung anzutreffen war. Neugier und die Begegnungsfreude hatten bei den Meißnernachtbesuchern also obsiegt.

Nach einem intensiven Austausch, dem die angesetzte kokovore Schwimmbadlesung zum Opfer fiel, ging es los zum Hohen Meißner. Einige Anekdoten über den Erinnerungsort Hoher Meißner später ging es zu Fuß der Burg Ludwigstein entgegen, die in Rekordzeit erreichte war (kurz nach 1 Uhr). Eine Sauna- und eine Singerunde rundeten die freiwillige Nachtwanderung ab. Noch runder wurde die Meißnernacht, die schon längst zum Tage geworden war, als nach dem Abschlußkreis noch etliche frei von Hektik mit einem mehrstimmigen Chorsatz den Enno und seine Besucher beglückten. Am Ende stand in jedem Fall der Wunsch, sich wieder zu treffen, um an den spannenden Themen dranzubleiben. Ein Falke sprach zum Abschluß das aus, was wohl ein Großteil der Anwesenden ähnlich empfinden dürfte: Den Dank und die Hoffnung, daß die Burg Ludwigstein als Begegnungsort aller Jugendbewegter erhalten bleibe. Auch dieses Wochenende hatte wieder gezeigt: Die persönliche Begegnung ist stets ein Gewinn.


[1] Anzahl jener, die sich nach der Frage „Wer war hier anwesend?“ erhoben.

[2] Besucher und Organisatoren des 75sten Jubiläums 1988

[3] Die Pinte des Westforums schenkte ausschließlich an Leute aus, die das erlesen ausgegebene Trinkgefäß des Westforums hatten, wodurch sich ein florierender Schwarzmarkt für diese Humpen entwickelte.

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