zwölfdreizehn schnipseleien | oktober 12

oktober 1812

Rückzug der Truppen Napoléons aus Moskau 1812

Schon im Jahr 1811 begannen Frankreich und Rußland mit den Vorbereitungen für einen Krieg. In der Nacht zum 24. Juni 1812 befahl Napoléon seiner Grande Armée, die zum größten Teil nicht aus Franzosen, sondern aus Italienern, Deutschen, Polen, Iren, Niederländern, Belgiern, Spaniern, Portugiesen, Kroaten und Nordafrikanern bestand, den Angriff auf Rußland. Zwar rückten die „Franzosen“ rasch vor, doch hatten sie ohne große Kampfhandlungen hohe Verluste durch ungünstige Witterungsbedingungen und Versorgungsmängel.

Nach einem Sieg bei Borodino am 7. September war der Weg nach Moskau frei. Am 16. September brachen zahlreiche Brände in der Stadt aus, die auf Befehl des russischen Stadtkommandanten an Dutzenden Stellen gelegt worden waren. Ein Sturm führte dazu, daß sich das Feuer schnell ausbreitete. 75 % der Stadt, die zu zwei Dritteln aus Holzhäusern bestand, wurden vernichtet. Danach versuchte Napoléon, einen Waffenstillstand zu erreichen.

Da der russische Zar jedoch Verhandlungen ablehnte und statt dessen weitere Truppen um Moskau zusammenzog, beschloß Napoléon am 13. Oktober den Rückzug, der zum Desaster werden sollten, weil die Ordnung verloren ging und der Nachschub zusammenbrach.

Buchempfehlung:

Adam Zamoyski, 1812

Napoleons Feldzug in Russland

C. H. Beck Verlag, München 2012

ISBN 9783406631702

Gebunden, 720 Seiten

 

Aus dem Kriegstagebuch des Leutnants von Kalckreuth

„So konnte der 12. Oktober herangekommen sein, und alle meine Lebensmittel waren völlig aufgezehrt; mir blieb nichts übrig, als entweder zu verhungern oder auf’s Gerathewohl mehrere Meilen fortzureiten, um mir solche aufzusuchen. Diesen Entschluß teilte ich dem Premierlieutenant von Eisenhard mit, bat mir 12 noch ziemlich berittene Husaren aus, um damit eine Patrouille zu machen, und versicherte, nur mit Lebensmitteln oder gar nicht zurückzukehren; doch mein Gesuch wurde abgelehnt, weil der Verlust von 12 Pferden leicht zu befürchten sei. Nun ritt ich mit meinem Burschen allein, und schloß mich an ein Fourage-Kommando an, welches nach einer Gegend marschierte, wo wir bereits mehrere Male gewesen waren und wo sich nur noch einige Korngarben befanden …, doch wir mußten das Äußerste wagen, um nicht Hungers zu sterben.“ (aus dem Kriegstagebuch von Carl Friedrich von Kalckreuth)


Overtüre 1812

Die Ouvertüre 1812 ist eine Auftragskomposition des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), die den Sieg Rußlands in den napoleonischen Kriegen 1812 darstellen soll. Uraufgeführt wurde sie mit großem Erfolg in der Christ-Erlöser-Kathedrale (Moskau) am 20. August 1882.

Das Stück wird mit feierlichen Klängen eingeleitet, die an die Gottesdienste in russischen Kirchen nach der Kriegserklärung erinnern sollen. Es folgt ein Thema, ausgeführt durch die Hörner, das die marschierenden Armeen darstellt. Die französische Marseillaise spiegelt die anfänglichen französischen Siege wider. Das russische Volkstanzthema gedenkt der Schlacht, die Napoleons Nachhut schlägt.

Der Rückzug von Moskau im Oktober 1812 wird durch ein langes Diminuendo (Leiserwerden) ausgedrückt. Die folgenden Kanonenschüsse sollen die militärischen Angriffe der russischen Artillerie auf die französischen Flanken darstellen. Mit Glockengeläut und der musikalischen Darstellung eines Feuerwerks wird schließlich der Sieg und die Befreiung von der französischen Besatzung gefeiert. Unter den Kanonen und Hörnern hört man die russische Zarenhymne, die im Kontrapunkt zur vorher gehörten Marseillaise geführt wird.


Schlacht von Queenston Heights

Im Schatten der napoleonischen Kriege versuchten die USA 1812, den Briten Kanada zu entreißen und ganz Nordamerika zusammenzuschließen. Die Expansionspläne sind im Kontext der allerdings erst später ausformulierten Manifest-Destiny-Ideologie (dem Glauben an ein gottgegebenes Recht zur Eroberung des gesamten Kontinents) zu sehen.

Nachdem die Amerikaner im Sommer 1812 bei Detroit eines der peinlichsten militärischen Debakel ihrer Geschichte erlebt hatten, war der Druck auf die Verantwortlichen groß, diese Schmach durch einen Sieg vergessen zu machen. Diesen Sieg versuchte General Stephen Van Rensselaer in der Schlacht von Queenston Heights am Niagara River am 13. Oktober 1812 um jeden Preis zu erringen. Da die Amerikaner mit insgesamt 6.000 Mann nur 1.300 Briten angriffen, die von 300 Indianern und Milizionären unterstützt wurden, rechnete Van Rensselaer sich gute Siegeschancen aus. Allerdings konnten die britisch-indianischen Truppen die Amerikaner demoralisieren und in die Flucht schlagen. Ein Teil der amerikanischen Soldaten versteckte sich im Wald und griff nicht in den Kampf ein, ein anderer sprang aus Angst vor den Indianern in den Fluß, wobei viele beim Aufprall auf Felsen getötet wurden oder ertranken.

Von General Van Rensselaers 6.000 Soldaten wurden etwa 400 getötet oder verwundet, über 900 gerieten in britische Gefangenschaft. Obwohl der Krieg sich noch bis 1814 hinzog, war mit dieser Schlacht der Angriff der USA gescheitert. Kanada blieb britisch.

oktober 1912

Magdeburgtagung des Altwandervogel 

Am 6. Oktober 1912 trifft sich der Altwandervogel zur außerordentlichen Hauptversammlung in Magdeburg. Zur damaligen Zeit gilt er mit ca. 15.000 Wandervögeln und ca. 5000 Mitgliedern der Eltern- und Freundeskreise (EuFRat) als größter Wandervogelbund. Auf der Tagung werden verschiedene Streitfragen besprochen. Der Bundesschriftführer Weber ermahnt die Wandervögel:

Wir können nur eine Einigung erzielen, wenn wir die Fassung der Fragen Alkohol, Nikotin, Zusammenwandern von Mädchen und Knaben und die Gründung von Volksschulgruppen den einzelnen O.-Gr. [=Ortsgruppen] überlassen.“

Nachdem der Antrag zum Übertritt in den angestrebten Einigungsbund (E.V.) im Zuge der Uneinigkeit mit knapper Mehrheit (401:385) scheitert, tritt eine größere Anzahl von Kreisleitern aus dem Bund aus. Im Nachgang der Magdeburger Tagung hält diese Austrittswelle an. Als „Geeinte“ drängen die Einheitsbefürworter des AWV zur sofortigen Auflösung des Bundes und zum Übertritt in den E.V..

Quellen:

Kindt, Werner; Dokumentation der Jugendbewegung II; Der Wandervogel; 1968 Köln

Auszug des Protokolls der außerordentlichen Hauptversammlung des Alt-Wandervogels, erschienen im Wandervogel, Nr. 11, Windmond 1912

 

2. Deutscher Kongreß für Jugendbildung und Jugendkunde in München

Nachdem der 1. Kongreß für Jugendbildung und Jugendkunde im Oktober 1911 in Dresden stattgefunden hatte, lädt der reformpädagogische Bund für Schulreform vom 3.-5. Oktober 1912 nach München ein. Als Themenkanon befaßt man sich an den drei Tagen mit dem Wesen der Bildung, unterschiedlichen Schultypen und der Vorbildung auf das Lehramt. Unter den vielen anwesenden Pädagogen darf mit Gustav Wyneken auch der spätere Meißnerredner und Gründer der Freien Schulgemeinde Wickersdorf vortragen. Seine Gedanken umschreibt ein Bericht wie folgt:

„Bildung kann nur vom Kulturbegriffe aus verstanden werden; Bildung ist für den einzelnen dasselbe, was Kultur ist für die Volksgemeinschaft; Bildung ist die bewußte Teilnahme des einzelnen an einer Kultur. Wir stehen in der Zeit einer labilen Kultur, einer Zeit des Werdens und der Neubildung. Nicht die festgelegten objektiven Werte einer stabilen, veralteten Kultur sind maßgebend, sondern die Aufgabe der Erziehung muß sein, den Zögling zu befähigen, innerhalb der werdenden Kultur den rechten Platz zu finden; Aufgabe der Schule ist es, ihn zum Suchen und Finden neuer Werte, zur Freiheit, zur Vorurteilslosigkeit, zum „unhistorischen“ Denken, zum Enthusiasmus zu erziehen.“

Auf dem gleichen Kongreß beschließt man, die nächste Tagung im Oktober 1913 in Breslau abzuhalten.

 

Beginn des 1. Balkankrieges zwischen dem Balkanbund und dem Osmanischen Reich

Die Kriegserklärung Montenegros an das Osmanische Reich am 8. Oktober 1912 markiert den Beginn des Ersten Balkankrieges. Nachdem am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg erklärt hatte, erklären einen Tag später dessen Verbündete Bulgarien, Griechenland und Serbien gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg. Den 474.000 Soldaten des Balkanbundes stehen in etwa 290.000 Mann des Osmanischen Reiches gegenüber. Mit der nahenden Niederlage endet die osmanische Vorherrschaft in der Region.

Heimliche Heirat von Olave und Robert Baden Powell im Oktober 1912

Erst im Januar 1912 traf Olave St. Clair Soames auf einer Reise nach New York den damaligen Kriegshelden und Gründer des Scoutismus Robert Baden-Powell. Allem Altersunterschied zum Trotz verliebten und verlobten sich die beiden. Am 30. Oktober 1912 gaben sich beide fernab der Öffentlichkeit und unweit von Brownsea Island das Jawort. Aus ihrer Ehe gingen 3 Kinder hervor. Der gemeinsame Geburtstag der beiden (22. Februar 1857/1889) gilt der weltweiten Pfadfinderbewegung als Ehrentag.

oktober 2012

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1 Kommentar - Kommentar schreiben
  1. Karl sagt:

    Sehr empfehlenswertes Buch!

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