Flinkpedia & Freunde

Was waren das noch für Zeiten, als man zum Nachschlagen im Bücherregal oder in der Bibliothek suchte, sich des Brockhaus, weitergehender Literatur oder gar der Ursprungsquellen bediente. Diese wissenschaftliche Stöberei war zwar zeitaufwendig, hatte aber den positiven Nebeneffekt, daß man sich stets zusätzliches Wissen aneignete sowie Zusammenhänge und Widersprüchliches selbst erschloß.

Heute wird dieser intensive Forschungsdrang allzu oft durch zeitliche Vorgaben beschränkt. Anstelle der klassischen Enzyklopädien hat sich eine Vielzahl Online-Lexika etabliert, die einem in kürzester Zeit und ohne viel Mühe eine große Menge an Wissen bereitstellen. Der Trend zu immer schnelleren Informationen bringt es nun mit sich, daß oft eilig und ungeprüft eine der vielen digitalen Enzyklopädien herangezogen wird. Dies ist in den meisten Fällen, gerade bei unstrittigen Themen, gewiß eine gute Möglichkeit, einen Einstieg in ein Thema zu finden. Für ein fundiertes und kritisches Wissen ist eine weitere Recherche aber jederzeit zu empfehlen. Dazu könnte die in den jeweiligen Artikeln meist erwähnte Literatur hilfreich sein. Teilweise bietet es sich an zusätzliche Informationen von Relevanz im Online-Lexikon zu ergänzen, so daß auch nachfolgende Nutzer davon profitieren können. Schließlich steigt die Qualität gemeinschaftlicher Lexika mit der kritischen Mitarbeit möglichst vieler ihrer Leser.

Aus diesem Grund möchten wir euch neben der Mutter aller Wikis weitere Online-Lexika vorstellen, die sich insbesondere der Geschichte der Jugendbewegung und verwandten Themen widmen. Beginnen wir aber zunächst mit dem Original.

Wikipedia

Wikipedia, was begrifflich eine Schöpfung aus dem hawaiischen Wort „wiki“ (schnell) und dem bekannten Wort „encyclopedia“ (Enzyklopädie) ist, besteht seit 2001 auch in deutscher Sprache. Mit über 3 Mio. Artikeln in englischer, mehr als 1 Mio. in deutscher  und Abermillionen in weiteren Sprachen ist sie das umfangreichste Lexikon der digitalen Welt. Dennoch fehlen auch hier etliche Artikel zu jugendbewegten Treffen, Bünden und Persönlichkeiten. Viele existierende Artikel zum Themenkomplex gehen über das begrenzte „Wissen“ einzelner weniger Quellen nicht hinaus.

Aufgrund der strikten Relevanzkriterien müssen Artikel einen gewissen Mindestumfang und ein wissenschaftliches Niveau vorweisen. Dies hält das Lexikon übersichtlich und befreit es von irrelevanten Informationen, im Guten wie im Schlechten. Sieht man von politisch instrumentalisierten Themenfeldern ab, ist Wikipedia eine hervorragende Plattform für freies und sich stets erweiterndes Wissen. Eine aktive Mitarbeit möchten wir aus diesem Grund unbedingt ans Herz legen.

Scout-O-Wiki

Ein aus der Pfadfinderbewegung selbst entstandenes Projekt ist die Seite Scout-O-Wiki. Wie der Name vermuten läßt, stehen Pfadfinderthemen im Mittelpunkt. Aber auch andere jugendbewegte Inhalte kommen nicht zu kurz. Viele Artikel scheinen aus dem deutschen Wikipedia übertragen worden zu sein und wurden teils nur geringfügig angepaßt. Andere Artikel lesen sich eher als Werbung und lassen wissenschaftliche Distanz vermissen. Zudem verlieren sich einige Artikel im Detail, was für die eigentliche Zielgruppe angemessen sein mag, auf den normalen Wißbegierigen aber unausgereift wirken muß. Für jenen, der sich umfassend mit jugendbewegter Geschichte, insbesondere auch der jüngeren Pfadfindergeschichte, befassen möchte, steht mit Scout-O-Wiki gleichwohl eine gute Ergänzung zur Verfügung. Auch sind die vielen nützlichen Artikel der Rubriken „Gruppenstunde“ und „Pfadialltag“ auf einer streng wissenschaftlichen Seite schwer vorstellbar. So erweist sich hier ein praktischer Vorteil gegenüber stärker reglementierten Seiten. Die knapp über 1.000 Artikel zeigen aber auch die derzeitigen Grenzen des Projektes auf. Doch jeden Tag eine gute Tat in Form eines guten Artikels könnte diesen Mangel mit der Zeit sicherlich beheben.

Vagapedia

Diese Seite ist wohl einer der schrägsten und buntesten Vögel der Wikifamilie. Vagapedia selbst bezeichnet sich als “erste freie Enzyklopädie des modernen Gauner- und Ganoventums“, was ganz gewiß eine Untertreibung ist. Ohne wissenschaftliche Prüfung, was in diesem Fall entschuldbar scheint, ist anzunehmen, daß es sich hierbei sogar um die einzige „Enzyklopädie des modernen Gauner- und Ganoventums“ handelt. Entsprechend dem Titel ist ein Großteil der Artikel stilecht vom deutschsprachigen Wikipedia ergaunert worden. Hierdurch bleiben spätere Ergänzungen auf der Strecke, aber was juckt einen schnoddrigen Landstreicher schon Detailbesessenheit – Hauptsache, die Artikel sind in der Tüte und im Sack! Allen fahrenden sowie wandernden Völkern und Volksgenossen ist diese Seite aber zur heiteren Lektüre empfohlen. Neben der Jugendbewegung werden nämlich weitere Aussteiger, Querdenker und zünftige Gesellen mitsamt deren Liedern und Zeichen vorgestellt. Auch wenn Vagapedia derzeit nicht als wissenschaftliches Standardwerk gelten kann, läßt dessen Nutzung zumindest keine Repressionen erwarten. In keiner bekannten „Verordnung“ und „Abwehrvorschrift“ wird vor dieser Seite gewarnt – ein Indiz, aber kein Beweis für die Aufrichtigkeit des Projektes. Weiterhin gute Fahrt!

Lexikon der Jugendbewegung

Einen weitaus ernsthafteren Rahmen hat sich das vom Archiv der Jugendbewegung initiierte Lexikon der Jugendbewegung auferlegt. Von den vorgestellten Lexika sollte es, gemessen am wissenschaftlichen Anspruch, selbst das streng reglementierte Wikipedia übertreffen. Bisher ist das Werk im öffentlich zugänglichen Bereich leider nicht über die Aufbauphase und wenige Musterartikel hinausgekommen. Einen weiteren wesentlichen Unterschied zum großen Original stellen seine besonderen Teilnahmebedingungen dar. Die Mitarbeit ist von einer persönlichen Anmeldung und Freischaltung abhängig. Da die Anmeldung und spätere Mitarbeit unter dem echten Namen des Nutzers geschieht, könnte dies auf potentielle Mitarbeiter abschreckend wirken. Gleichwohl bannt dieses Vorgehen auch die Gefahr von unnötigen Provokationen und unwissenschaftlichen Beiträgen unter Pseudonym. Es bleibt abzuwarten, ob diese in jugendbewegten Kreisen übliche Form des „offenen Visiers“ auch seine wissenschaftlichen Blüten treiben wird. Auch wenn sich derzeit einige Artikel noch im Rohzustand befinden und einer Überarbeitung bedürfen, befinden sich andere schon jetzt auf höchstem Niveau und stellen ganz gewiß eine Bereicherung dar. Eine rege Mitarbeit ist zu unser aller Nutzen und Gewinn unbedingt zu empfehlen.

Ein dichtes Netz

Dieser Artikel fände kein Ende, wenn man keines setzen würde. Im weltweiten Netz sind unzählige Lexika und Wissensseiten miteinander verwoben. Weitere jugendbewegte Wikis sollen hier nur der Form und Vielfalt wegen erwähnt werden. Pfadiwiki erinnert nicht nur namentlich an Scout-O-Wiki, beschränkt sich aber auf dessen Vorteile, die praktischen Tipps für den Pfadfinderalltag. Die hübsch anzusehende Seite hat Partner in anderen Sprachen. Die Schwarzzeltseite Jurtenland konzentriert sich auf ihre Kernkompetenz: schwarze Zelte. Etliche regionale, thematische und sonst wie nützliche Wikis beinhalten jugendbewegte Themen. Und jede dieser Seiten muß sich ihre Berechtigung Klick für Klick verdienen. Dazu tragen Leser und Schreiber gleichermaßen bei. Ob diese Vielfalt nützlich oder nutzlos ist, darüber läßt sich streiten, beachtlich ist sie allemal.

Wir hoffen, mit dieser Auswahl einen kleinen Einblick und auch Ansporn zur Mitarbeit gegeben zu haben. Und all jenen, denen der ganze wissenschaftliche Ehrgeiz ohnehin zu weit geht, die aber dennoch Lust am Schreiben haben, denen sind mit Uncyclopedia oder Stupidedia außergewöhnliche Alternativen ins Netz gestellt. Dort macht man sich die Welt … widewide, wie sie mir gefällt. Ein bißchen Spaß darf sein. In der freien Wissenschaft dürfen Vorliebe und Gefallen aber niemals Gradmesser werden. Wissenschaft und Freiheit bedingen zwar einander, in einigen Fällen schließen sie sich wohl aber aus. Es lebe daher die Symbiose: die freie Wissenschaft!

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