Monatsschnipsel November

november

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„Der Herbst ist der Frühling des Winters.“

(Henri de Toulouse-Lautrec)

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Rückblickend:

20 Jahre Mauerfall

Vor mittlerweile 20 Jahren brach mit der Berliner Mauer eine der bestgeschützten Grenzanlagen der Welt zusammen. Auf der Mauer am Brandenburger Tor tanzen Deutsche aus Ost und West vereint, während erste “Mauerspechte” eigenmächtig damit beginnen, die Mauer einzureißen. Unter ihnen auch Jugendbewegte der Gildenschaft und des Freibundes. Nach jahrzehntelangem Verbot konnten nun auch auf dem Gebiet der DDR langsam wieder erste bündische Gruppen entstehen.

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80 Jahre dj.1.11

1.11.1929 – 80 Jahre Verschwörung autonomer Jugend: Eberhard Köbel (tusk) gründet die deutsche jungenschaft vom 1.11.1929 als “Geheimbund” innerhalb der Deutschen Freischar.

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95 Jahre Mythos von Langemarck

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Zu Ende ist das frohe Wandern, das uns wissend gemacht,

denn wir ziehen nach Flandern in die blutige Schlacht.


Die Heide ward zum Schützengraben und die Laute zum Gewehr,

die mich einst begleitet haben, leben alle nicht mehr.


Und sollt’ es einstmals Frieden geben und wir zögen nach Haus,

so wäre gleichwohl mein Leben in Wirklichkeit aus.

(Unbekannter Dichter, aus dem Liederbuch St. Georg)

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Vor 95 Jahren kam es nahe der belgischen Ortschaft Langemar(c)k im Zuge der sogenannten ersten Flandernschlacht zu einem Angriff deutscher Regimenter, die aus zumeist jungen Kriegsfreiwilligen bestanden. Im “Mythos von Langemarck” wurde dieser Angriff der Jugend nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zum Sinnbild idealistischer Opferbereitschaft deutscher Jugend verklärt, die mit dem Lied “Deutschland, Deutschland über alles” auf den Lippen in die feindlichen Trommelfeuer gestürmt sein soll. Unter ihnen befanden sich auch viele Jugendbewegte, so etwa der dort gefallene Wandervogelführer Frank Fischer. 1924 trafen sich über 2000 Jugendbewegte aus 23 Bünden zu Ehren der gefallenen Kameraden in der Rhön zu einer gemeinsamen “Totenfeier der bündischen Jugend. Die Jugendburg Ludwigstein wurde als Gemeinschaftswerk der Jugendbewegung zum Ehrenmal der gefallenen Wandervögel. Fern idealisierender Beschönigung des Lebens der “Feldwandervögel” erinnert sich 1929 der Salzburger Wandervogel und Mitglied des Jungdeutschen Bundes, Hermann Amanshauser:

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“…Ein weites, ödes Land. – Ganz dunkel, voll Regen und Kot – ein kreisrunder, grauer Himmel – alle Menschen haben die Ruhr – süßer, fürchterlicher Blutgeruch – Vaterland! …

Ein Feld. – Von allen Seiten schießen sie auf uns. Ich kann nicht mehr laufen! O, hätten diese Äcker nicht so furchtbare Furchen!

Gewehr und Tornister sind wie Blei, ich schleppe mich Schritt für Schritt weiter. – Werde ich tot sein oder nur verstümmelt? Fritz eilt vor mir, er ist Offizier, trägt nicht so schwer, – ich kann nicht nach. – Da sieht er mich und führt mich an der Hand weiter. Wir schauen uns verstört in die Augen, weinen können wir nicht.

Sein Körper hielt alle Mühen aus, ich verließ ihn in diesem Lande – nun – tot —”

(Wandervogel, Monatsschrift, herausgegeben vom Bund der Wandervögel und Kronacher, Heft 12, 1929: Vom Feldwandervogel S. 29.

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Jugendbewegte:

Seit 35 Jahren Bundesführer

fmAm 24. November 1974 wurde Fritz-Martin Schulz (FM) nach dem Tod von Karl Oelbermann (Oelb) zum neuen Bundesführer des Nerother Wandervogels gewählt. Damit folgte, wie FM selbst im Herold 1983 schrieb, dem Rheinländer Oelb ein Preuße, der bei freier Kost und Logis auf der Waldeck bis heute den Bund führt.

Vor 50 Jahren gestorben

michaelDer am 27.10.1897 geborene Walther Jansen gehörte zu den charismatischsten Führungspersonen der deutschen Pfadfinderbewegung. Bis zum Verbot 1934 war er Bundesführer der Reichsschaft Deutscher Pfadfinder und nach 1945 einer der ersten, die sich an den Wiederaufbau pfadfinderischen Gruppenlebens machten. Unter dem Pfadfindernamen “Michael” wurde er der erste Bundesführer des Deutschen Pfadfinderbundes (DPB). Umstritten sind seine Verstrickungen während des Nationalsozialismus, wo er einerseits als Zuträger für die Gestapo gearbeitet hatte, andererseits allerdings 1944-1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert war. Walther Jansen verstarb am 5. November 1959 in Hamburg.

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Ausblickend:

6.-8. November 2009 – Überlebensfest Falado auf der Jugendburg Balduinstein

6.-8. November 2009 – Brennholzwochenende auf dem Wandervogelhof Reinstorf

7.-8. November 2009 – “100 Jahre Pfadfinden in Deutschland” in Bamberg

13.-16. November 2009 – Novembergespräche der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein (VJL), zudem am 14. November OMV auf der Burg Ludwigstein


Wer vergangene und kommende Daten für den Monatsschnipsel hat, sende diese an buendische-vielfalt(at)gmx.de


Willkommen , heute ist Sonntag, 11. April 2021