Schwing dein Bein… zu Gast beim Roma-Festival in Prag

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Published on: 1. Juli 2010

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von rosé

Von Lenaus romantisch-verklärten “Drei Zigeunern” bis hin zu den von gomo für die Jugendbünde gesammelten Liedern der Roma: seit den frühesten Tagen der Jugendbewegung fällt der Blick faszinierend auf die „fahrenden Völker“ Europas. So ist es denn auch keine große Überraschung, daß es vier von uns vor knapp einem Monat zum internationalen Romafestival „Khamoro“ nach Prag zog.

Schon seit 1999 treffen sich Roma aus aller Welt zu diesem gemeinsamen Festival in Prag. Neben einem vielfältigen kulturellen Programm gibt es Ausstellungen, eine wissenschaftliche Begleittagung, Diskussionsrunden und einen internationalen Jugendaustausch. Ganz bewußt finden mehrere der Veranstaltungen an öffentlichen Räumen statt, um Vorurteile der Mehrheitsgesellschaft abbauen zu helfen – mit dem angenehmen Nebeneffekt, daß so etliche der Veranstaltungen kostenfrei sind. Uns zog es allerdings besonders zur großen Abschlußgala hin, die am 29.05. in der Kongreßhalle stattfinden sollte und bei der sieben Musik- und Tanzgruppen angekündigt waren. Ehrlich gesagt wußten wir überhaupt nicht, was uns erwarten würde: klang „Kongreßhalle“ nicht doch ein wenig arg nach Bürgerlichkeit? Würde uns doch nur ein folkloristischer Klamauk erwarten?

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Doch bereits umgehend nach unserem Eintreffen waren diese Bedenken verflogen. Wir fanden uns inmitten einer familiären, buntgemischten Menge wieder: dort die Großfamilie in traditioneller Tracht, hier der elegante Anzugträger und da die jugendliche Gruppe mit Goldkettchen, bei der man stereotyp bedingt üblicher Weise doch eher die Straßenseite wechseln würde. Ein fröhliches Miteinander von Alt und Jung von überall her. Schon bald wurden auch wir angesprochen, woher wir den mit unserer „Tracht“ kämen. Nein, wir sind nicht die aus den USA, wir kommen aus Deutschland. So kannten wir bei mehreren der Lieder dann auch eher die deutschen Übertragungen aus den Jugendbünden, etwa beim „Maientanz“

Musikalisch wurde uns und unseren Tanzbeinen einiges geboten: lebendig und frisch kamen die Gruppen daher und zeigten, wie Volkstradition auch im 21. Jahrhundert Avantgarde sein kann – ist doch auch manches von dem, was heute angesagt als „Balkan-Beats“ verkauft wird in Wirklichkeit nur ein modern verpacktes Volkslied. Doch wo diese „Balkan-Beats“ durch zu Hilfe Name von Computereffekten oftmals zu Plastikklängen werden, zeigte sich hier, wie großartig sich zu Blasbläsern und Gitarrenklängen tanzen läßt! So begeisterte etwa die aus Slowenien kommenten Sukar ebenso wie die das aus Mazedonien stammende Orkestar Braka Kadrievi oder die aus Frankreich kommenden Tänzerinnen und Tänzer von Romano Atmo.

Wer sich neben romantischer Zigeunerverklärung in manch einem unserer Fahrtenlieder oder der Realität krasser sozialer Probleme, etwa im rumänischen Banat oder auch Siebenbürgen, einmal anders von der Romakultur einfangen lassen will, dem sei das jährlich Ende Mai stattfindende Khamoro-Festival empfohlen. Warum nicht im nächsten Mai mit einer bündischen Älterengruppe in das gar nicht allzu ferne Prag? Khamoro heißt Sonne!

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