Gedanken und Eindrücke zur aktuellen Situation

 

Eine subjektive Einschätzung …*

von Hauke

rund-gesangAbgrenzung, Ausgrenzung, Distanzierung; Ausladung der „Rechten“, „Neuen Rechten“, „Ethnopluralisten“ oder auf Neudeutsch „Future-Nazis“– so tönt es derzeit allerorten, betrachtet man im Internet die einschlägigen Seiten. Begrifflichkeiten, von denen man sich schon lange verabschiedet hatte, werden aus der Motten- und Schmutzkiste politischer Grabenkämpfe gezogen. Im Internet und auf den entsprechenden Seminaren fordert eine vermeintlich große Mehrheit die dringend nötige Ausgrenzung aller des Bösen Verdächtigen – und es werden munter Distanzierungen und Auftrittsverbote publiziert.

rund-bauenDoch da komme ich gerade von einer überbündischen Veranstaltung und habe ganz anderes, nämlich herzlichstes Miteinander erlebt, herzlichstes Miteinander „quer durch alle Fronten“ mit Vertretern vieler Bünde, die doch eigentlich führend auf der guten Seite stehen, und Vertretern der Bünde, die doch eigentlich in die Schmuddelecke gehören. Keine Hintergedanken, keine Grabenkämpfe, keine politische Verbissenheit, sondern einfach nur fröhliches Schaffen, Singen und überbündisches Leben im Bewußtsein der gemeinsamen Herkunft.

Junge Gesichter, offene Gespräche, Fahrtenpläne und große Pläne für die Zukunft – auch gemeinsame Vorhaben, begründet auf gegenseitiger Sympathie. So sieht die Realität aus. Abschätzige Äußerungen dagegen über jene, rund-gitarrendie im Internet und hinter ihren Schreibtischen das große Wort führen und doch die Fühlung zum bündischen Leben jenseits der Seminare, Problemrunden und Komitees verloren haben. Offen ausgesprochene Entschuldigungen für das Verhalten der eigenen Bundesgeschwister, die inzwischen auf Stasi-Niveau den von ihnen ausgemachten „bündischen Küchenschaben“ nachstellen, und ziviler Ungehorsam gegenüber den distanzierungswütigen Bundesführungen beeindrucken mich tief und lassen das Mißtrauen schnell schwinden.Die internetgemachten Vorbehalte weichen natürlicher Selbstverständlichkeit.

Denn uns allen gemeinsam ist, daß wir uns in unseren Gruppen und Bünden einen Freiraum eben gerade jenseits der politischen Ränkespiele der Altgewordenen schaffen wollen. Die Realität vieler junger Fahrtengänger ist eine andere, als jene sich wünschen.Sie scheren sich nicht um Kontakt- und Denkverbote. Sie wollen sich ihre Meinung und Überzeugung selbst erringen. Sie wollen sich nicht aus wirren Name-Dropping-Konserven eintrichtern lassen, daß Ihr Gegenüber schlimm ist, weil er jemanden kennt, der mit jemandem zusammenlebt, der eine nach Meinung der Verfolger suspekte Veranstaltung besucht hat. Für sie zählt der ganze Mensch, Grenzen aber wollen sie selber ziehen.Sie erkennen mit Befremden, daß unter der Fahne hehrer Ideale jene Verfolger, die teils aus dem Umfeld gewaltbereiter und antistaatlicher Antifakreise kommen, anderen Bündischen bis ins Privatleben nachstellen und nicht einmal davor zurückschrecken, mit Anrufen bei Arbeitgebern deren Existenz zu bedrohen. Sie sind es müde, im Internetforum von den immer gleichen Namen einiger weniger, dafür aber omnipräsenter Internetexistenzen „informiert“ zu werden.

rund-daumenUnd so klären sich die im Internet wohlweislich unerwähnten Dinge schnell in der persönlichen Begegnung: Welcher Leser von „rechte-jugendbuende.de“ weiß schon, daß bei der Göttinger Gilde in den letzten Semestern u.a. der Imam der benachbarten Ditib-Moschee sprach und sozialdemokratische Studentenfunktionäre gerne und regelmäßig die Gildenabende besuchen, da sie die offene Diskussionskultur schätzen? Es bleibt auch unerwähnt, daß beim großen „68er-Abend“ ein Alt-APO und BDP-Mitglied vor breitem überbündischen Publikum referierte und der Diskussionsabend im fröhlichen gemeinsamen Singen endete.

Doch diese Erkenntnisse taugen nicht zur Sensation, rund-daumen2widersprechen sie doch dem mühsam aufgebauten Bild der Bösewichte. Daher müssen Randnotizen, verstaubte Geschichten aus dem Archiv und teils skurrilste Relationen zusammengekleistert werden, um eine drohende „Unterwanderung“ der bündischen Welt durch die ausgemachten Nestbeschmutzer zu suggerieren.

Seltsam, daß viele Vorbehalte so schnell abgebaut sind, wenn man sich nur einmal zum Wesentlichen, dem Singen, dem Werken oder zur Fahrt begegnet ist. Wie würden wohl die Abstimmungsergebnisse in den zahlreichen Gremien ausfallen, wenn die Stimmberechtigten aktive Fahrtengänger und unter 30 Jahre alt sein müßten? Auf der Ludwigstein zeigte sich anläßlich des Beräunertreffens im März 2010 eindrucksvoll die Einigkeit der Jungen: Vertreter unterschiedlichster Bünde sangen auf der Bühne gemeinsam „Die Gedanken sind frei“ und bekannten sich zur offenen Burg Ludwigstein! Das ist manchem Verfolger ein Dorn im Auge – und die Einschüchterungsversuche werden verbissener.

Doch es scheint, als beginne ein Riß sich Bahn zu brechen und immer mehr die Seminargänger, Altgewordenen und zunehmend verbiesterten Verfolgertypen von einem großen Teil der jungen Bündischen zu trennen. Die wollen nicht politisieren und nicht politisiert werden, wollen leben und leben lassen und anstelle pauschaler Ab- und Ausgrenzung sich am Gemeinsamen freuen. Grenzen aber zieht ein jeder frei und persönlich nach der Begegnung und dem oft aufschlußreichen Kennenlernen dort, wo er sie zu ziehen für richtig hält. Daß die Verfolger diese grundlegende Freiheit bekämpfen, läßt Ärger und Unverständnis wachsen, entlarvt es doch deren eigentliche Intention…

In den letzten Monaten haben sich die beschriebenen Eindrücke zunehmend zu einem positiveren Gesamtbild verfestigt, als mancher Seminarbericht oder Interneteintrag vermuten läßt. Denn ein jedes dieser frohen Treffen stellt der virtuellen die erlebte bündische Wirklichkeit gegenüber.

rund-gesicht

(*geschrieben im Mai 2010)


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